Der Krypto-Krieg hat begonnen

Der Krypto-Krieg hat begonnen

28.11.2019 – Special Report. Die digitalen Währungen stehen nach den jüngsten Razzien in China unter Druck. Gefahren drohen auch aus Europa und den USA. Denn Bitcoin, Ethereum und co. sind letztlich nichts anderes als eine Kampfansage von international vernetzten Teilnehmern an das Geldmonopol des Staates. Und daher inakzeptabel für die Politik. Der Fall China belegt dies besonders eindrucksvoll.

Bitcoin-Blutbad

Die vergangenen Wochen haben den Bitcoin-Bullen einiges abverlangt: Die weltweit populärste Digitalwährung rutschte am Montag ab bis auf 5.936 Euro. Im Juni hatte das Zwischenhoch bei 11.340 Euro gelegen. Zuletzt setzte eine leichte Erholung ein, Bitcoin wechselte für rund 6.800 Euro den Besitzer.

BTCUSD

Wie das Blog Coin Dance unter Berufung auf die Hash Rate konstatierte – das ist die Computer-Power, die das Bitcoin-Netzwerk am Laufen hält – hat die Community trotz der Attacke in China keineswegs kapituliert. Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Cyberdevisen unter dem regulatorischen Radar fliegen. Doch China gilt als der wichtigste Markt weltweit – entsprechend hatten die jüngsten Vorgänge im Reich der Mitte Signalwirkung.

Das Imperium schlägt zurück

Das Blog CoinTelegraph meldete vorige Woche, dass in China agierende Krypto-Firmen zuletzt einem verstärkten Fahndungsdruck ausgesetzt waren. Am vergangenen Donnerstag sollen die Behörden die Büros von Binance und Bithumb gestürmt haben, was beide bestritten. Die Publikation „Sanyan Finance“ meldete, in Shenzen seien Razzien bei 39 Unternehmen gelaufen. Zudem hatte die People’s Bank of China am 21. November mitgeteilt, dass sie nun verstärkt gegen die Branche vorgehen werde. Außerdem warnten die Währungshüter Investoren vor einer Geldanlage in diesem Sektor. Miner und Händler sind also ins Visier geraten. Peking hatte jüngst Vermutungen über die Auflage einer eigenen, staatlich gestützten Krypto-Währungen angefeuert – weswegen wohl nun die nicht kontrollierbaren Konkurrenten ausgeschaltet werden sollen.

War nicht so gemeint

Dabei hatte es für die Krypto-Bullen gerade wegen China noch Ende Oktober so gut ausgesehen. So zog Bitcoin kurz über 10.000 Dollar oder 8.359 Euro an, als Chinas Präsident Xi Jinping laut dem staatlichen Fernsehsender CCTV die Blockchain-Technologie in höchsten Tönen lobte. Die Volksrepublik solle eine führende Rolle in diesem Sektor einnehmen. War damit China wieder auf einen pro-Krypto-Kurs eingebogen? Wohl kaum: Wie der Branchen-Blog BTC-Echo konstatierte, ging es Xi eher um die Blockchain-Technologie als um Bitcoin. Das sehen wir auch so: Peking will einen kontrollierbaren E-Yuan, nicht aber all die anderen Krypto-Währungen.

Peking macht ernst

Erst im vorigen Sommer hatte China laut Recherche von CNBC den Kurs gegen Digitalwährungen verschärft. Schon 2017 hatte China den Verkauf von „initial coin offerings” verboten. Im August 2018 warnten die Behörden – darunter die chinesische Notenbank und der staatliche Finanzmarktregulierer – vor illegalen Kapitalsammlungen für Cryptocurrencies; der Business-Distrikt Chaoyang in Peking verbot die Kryptos ganz.
Gleichzeitig haben lokale chinesische Regierungen laut CNBC von 2016 bis Mitte 2018 rund 3,6 Milliarden Dollar in Kryptos investiert. Zugleich blieb der Handel mit Bitcoin in China weitgehend erlaubt. Dennoch hätten viele chinesische Firmen ihre Zentrale ins Ausland verlegt, aber weiter in der Volksrepublik gearbeitet. Und mit dem regen Interesse in den USA, Japan und Südkorea zog Bitcoin Ende 2017 an auf 19.000 Dollar, respektive 16.376 Euro.

Kampf gegen die Kapitalflucht

Dass solche Höhen noch einmal erreicht werden, ist fraglich. Denn wer sich ein wenig mit China oder anderen Autokratien auskennt, der weiß, was die Politik dort umtreibt: Peking will vor allem die Kapitalflucht eindämmen. Und die läuft bestens über Bitcoin. Viele Chinesen haben zurecht Angst vor einer Entwertung des Yuan – deswegen suchen sie nach Alternativen, die sie außer Landes schaffen können. Den Schmuggel von Bargeld oder Münzen kann der Zoll eindämmen. Internationale Bank-Transfer unterliegen der Kapitalmarkt-Kontrolle. Digitale Währungen dagegen entziehen sich komplett dem Zugriff des Staates – weil tausende Computer überall auf der Welt die Aufsicht schlicht umgehen.
Für die Politik eine Katastrophe – Peking hätte gerne die Milliarden, die aus dem Land fließen, zuhause investiert. Und auch gleich den Korruptionssumpf trockengelegt. Ähnlich ist es in Russland, wo Unsummen nach London oder in die Schweiz transferiert werden. Über digitale Geldbörsen werden zudem Einnahmen aus kriminellen Geschäften verrechnet, wie schon das FBI warnte. Die Kryptos stehen auch einer staatlich gelenkten Geldmengensteuerung im Wege – in China, Russland, Europa oder den USA das Mittel der Wahl zur Stimulierung der heimischen Wirtschaft.

Du sollst keine Geld-Götter neben mir haben

Den Ausweg aus der Krypto-Misere bietet für die Politik die Blockchain-Technologie. Das war es, was Xi Jinping meinte: Wenn über E-Yuan akribisch aufgelistet wird, wer welche Summe an Devisen transferiert hat, ist es aus mit dem Cash-Drain. Nicht von ungefähr hat gerade auch die Türkei Pläne für die digitale Lira bekanntgegeben – sie würde der Schwindsucht der Lira wohl ein Ende bereiten. Erste Tests sollen Ende 2020 laufen, Mitte 2025 soll die türkische E-Währung eingeführt sein.
Die Diskussionen in Deutschland über die Abschaffung des Bargeldes laufen übrigens in die gleiche Richtung. Wer Scheine in der Tasche hat, kann steuerfrei Schwarzarbeiter bezahlen; wer in Münzen investiert, kann sie vor dem Fiskus in der Schweiz verstecken. Das will kein Politiker. Und auch jenseits des Atlantiks haben die Pläne von Facebook für Libra oder Stablecoin für hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Konkret warnte die Federal Reserve in ihrem Financial Stability Report am 15. November davor, dass ein unregulierter Stablecoin Risiken mit sich bringen werde.

Kursziel Null für alle Kryptos?

Unser Fazit: Wir dürfen uns auf einen globalen Backlash der Regulierer gegen Bitcoin und co. einstellen. Die Politik wird nicht für alle Zeit zulassen das es eine eigene Parallelwährung im Internet geben wird. Wie lange der Feldzug gegen die mittlerweile rund 100 Digitaldevisen dauert, weiß niemand. Zumal es schwierig ist, eine dezentral organisierte Armada aus global aufgestellten Servern zu versenken. Doch ein Land nach dem anderen dürfte den Markt austrocknen und eine eigene Digitalwährung einführen. Letztlich läuft das auf den Exitus aller alternativen Angebote hinaus.

Bullishe Gegenbewegung jederzeit möglich

Natürlich wird der Niedergang von Ausbrechern nach oben begleitet werden. Jedesmal, wenn eine große Bank umzukippen droht und die Anleger ihr Geld retten wollen, werden Bitcoin und co. anziehen. Immer dann wenn sich herausstellt, dass die digitale Regulierung wegen technischer Hürden nicht weiterkommt, werden die Kurse wieder steigen. Zumal die Sehnsucht der Anleger nach einem Geld, das nicht durch die Notenbanken manipuliert werden kann, im Zuge der Nullzinspolitik anhalten dürfte.
Zudem könnte noch eine Menge an altem Geld in die neue Digitalwelt fließen. Gerade hat der frühere Goldman-Banker Mike Novogratz zwei neue Krypto-Fonds aufgelegt, wie Bloomberg berichtet. Seine Galaxy Digital Holding konzentriert sich auf solvente Anleger mit 2 bis 25 Millionen an freiem Kapital. Galaxy will konkret diejenigen Investoren im Alter zwischen 50 und 80 Jahren ansprechen, die sich bislang von diesem Markt ferngehalten haben. Wobei fraglich ist, ob konservative Investoren in ein solch volatiles Asset investieren.
Wie auch immer die Sache ausgeht: Die Bernstein-Bank behält das spannende Thema für Sie im Auge und wünsche Ihnen erfolgreiche Trades!


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